Nachhaltigkeit nachhaltig verankern

Dieses Monat hatte ich das Vergnügen, ein Gespräch mit meinem lieben Kollegen Gernot Hutter zu führen. Er ist Experte für das Thema Nachhaltigkeit und Geschäftsführer von N17 – Agentur für nachhaltige Innovation & Kommunikation. Es war sehr bereichernd und gleichzeitig ernüchternd zu sehen, wie eng diese beiden Schlagwörter miteinander verbunden sind.

Allein schon die Bezeichnung „Schlagwort“, zeigt ein gemeinsames Schicksal auf. Denn beide Begriffe werden absolut inflationär verwendet und oft falsch bzw. unvollständig interpretiert. So ist Nachhaltigkeit weit mehr als nur die Umstellung einer Organisation von umweltschädlichen Kaffee-Tubs auf Bohnen und auch NewWork reicht viel weiter als nur bis zum Home-Office.

Aber dieser kleine Beitrag soll jetzt nicht im Detail erklären was die beiden Begriffe alles bedeuten können, das würde hier den Rahmen sprengen. Ich möchte viel mehr versuchen die Quintessenz des Gespräches und meine Erkenntnisse herauszudestillieren.

Pflicht & Pflicht

Oft meint man, dass die sogenannten Soft-Facts nur ein nettes Beiwerk, quasi die Kür, zum eigentlichen Thema, der Pflicht, sind. Das ist komplett falsch. Eigentlich sprechen wir hier nicht von Pflicht und Kür, sondern von Pflicht & Pflicht.

Beginnen wir mit meinem Lieblings-Thema – dem Mindset! Erst das richtige Denken, Handeln, Verhalten und die dafür notwendige Einstellung sind letztendlich dafür ausschlaggebend, ob das Thema Nachhaltigkeit, auch nachhaltig verankert und damit wirkungsvoll ist. [Anmerkung: nachhaltige Nachhaltigkeit – das gefällt mir!!!]

Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Faktor, der vom Regulator eingefordert wird und zukünftig im Geschäftsbericht darzustellen, sondern eine Qualität, die mit Werten verbunden ist. Viele Menschen haben erkannt, dass wir viel zu verschwenderisch mit unseren Ressourcen und unserem Planeten umgehen. Sie wollen das nicht mehr! Diese Menschen sind sowohl Kund:innen wie auch Mitarbeiter:innen, die generationsübergreifend mehr Nachhaltigkeit fordern.

Wichtiger Faktor im War for Talents

Wobei die deutlich höhere Anzahl, mit großer Wahrscheinlichkeit, bei den Jüngeren liegt. Gerade diese jungen Menschen sind die Arbeitnehmer:innen der Zukunft. Damit ist EINE „Arena“ im War for Talents schon mal klar. Organisationen müssen sich, unter anderem, dem Thema Nachhaltigkeit widmen, wollen sie für die zukünftigen Kompetenzträger:innen attraktiv sein.

Aber ob dieser Glanz mehr Schein als Sein ist, spiegelt sich im Mindset wider. Werden Aktivitäten nur deshalb ausgeführt, um der Form Genüge zu tun, wird das zu wenig sein. Der Versuch eine echte Veränderung aus der Komfortzone heraus zu bewirken – also ohne wirkliche Anpassung von Verhalten, Denken und Einstellung – hat noch nie wirklich funktioniert!

Durch die Digitalisierung und die Always On Gesellschaft, finden Bewerber:innen sehr schnell heraus wer nur Wasser predigt, aber Wein trinkt. Die Maßnahmen müssen authentisch und grundlegend sein, will man überzeugen und damit die besten Mitarbeiter:innen finden und halten.

Nachhaltigkeit im Umgang mit der Ressource Mensch

Wenn wir von der Nachhaltigkeit reden, haben wir meistens Roh-/Schadstoffe, Energie oder andere Elemente im Kopf. Allerdings ist die wichtigste Ressource überhaupt, und das in jeder Branche, der Faktor Mensch. Das scheint jedoch vielen Organisationen nicht wirklich bewusst zu sein, da sie mit dieser wertvollen Ressource verschwenderisch umgehen.

Dies tun sie auf unterschiedlichste Weise: Leute über- oder unterfordern, Beschränkung der Selbstwirksamkeit und -bestimmung, Angst- statt Vertrauenskultur, Kontrolle statt Innovation und vieles mehr.

Alle diese Dinge werden natürlich, bzw. hoffentlich nicht, gleichzeitig passieren. Aber jeder einzelne dieser oben genannten Faktoren, repräsentieren ein bestimmtes Mindset, dass sich zumeist mit einer ehrlichen und authentischen Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit, oder jeder anderen NewWork-Qualität, nicht vereinbaren lässt.

Involvement & Partizipation auf Augenhöhe

Zwei wichtige NewWork-Qualitätskriterien sind meiner Meinung nach Beteiligung und Behandlung auf Augenhöhe. Es ist ein psychologisches Grundprinzip, dass Menschen sich eher mit Themen identifizieren können, wenn sie aktiv daran involviert waren. Erstens ist es eine feine Sache als Individuum (auch in einem Großunternehmen) wahr- und erst genommen zu werden. Zweitens freut es die meisten Menschen, wenn sie Ideen, Vorschläge und Inhalte beisteuern können.

Allein dieser Zugang führt oft dazu, dass Menschen die sich vielleicht gar nicht so sehr mit einem bestimmten Thema identifizieren, es dennoch akzeptieren, unterstützen und leben. Genau darum geht es! Veränderungen, sei es nun das Thema Nachhaltigkeit oder etwas anderes, müssen sich im Mindset und in der Unternehmens-DNA wiederfinden.

Auch das immer wichtiger werdende Mitarbeiter:innen Engagement findet genau hier statt. Im richtigen und menschzentrierten Umgang miteinander.

Meine Insights aus dem Gespräch

  • Sollen Veränderungen wirklich wirkungsvoll sein, stehen wir alle vor denselben Herausforderungen, nur der Blick auf den Schauplatz ist unterschiedlich.
  • Beteiligt man Mitarbeiter:innen an den Veränderungs- und Transformationsprozessen steigert man nicht nur die Mitarbeiter:innen-Bindung, sondern ermöglicht auch den Zugriff auf ungenutzte Innovationspotentiale.
  • Nachhaltigkeit muss holistisch gesehen werden. Als Kennzahl für den Regulator, als Kaufargument für Kund:innen, sowie als gelebte Werthaltung und Mindset gegenüber den Mitarbeiter:innen.

Ich freue mich über Kommentare, Gedankenaustausch und Diskussion

Beste Grüße, Jürgen

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